Weinlese in der steirischen Toskana (nur schöner)

erstellt von Dagmar Goak | |   WeinSekt

Herbstzeit ist für uns Weinlesezeit. Unsere Dagmar war einen Tag mit bei der Lese und berichtet von ihren persönlichen Erfahrungen.

Glücklicherweise darf ich die herrlichen südsteirischen Weine oft kosten und genießen.

Heute habe ich erstmals Gelegenheit, für einige Stunden bei der Lese als Helferin zu fungieren. Erntearbeiter in der Hochsaison sind rar und werden dringend benötigt. Auf einige Familienmitglieder und Freunde ist dennoch Verlass.

Wir sind zu sechst und beginnen um christliche 8 Uhr morgens. Seit letzter Woche sind die Trauben reif. Regen hat den Beginn der Lese um gut 1 Woche verzögert. Der Weinbauer erklärt mir kurz die Vorgehensweise. Der für mich steil anmutende Hang ist, wie mir die „alten Hasen“ sagen, eigentlich die flachste Variante aller zu bearbeitenden Lagen. Wir beginnen mit der Lese von oben nach unten. Auch easy denke ich. Der Rücken beginnt eher zu schmerzen, als ich erwarte. Den Ratschlag der Erfahrenen, die Seite nach jeder Zeile zu wechseln, nehme ich gerne an.

Durch die wetterbedingte, verzögerte Ernte muessen viele einzelne Trauben ausgeklaubt werden, was die Einbringung zeitlich in die Länge zieht und die Leseleistung verringert – jedoch ist das notwendig, denn nur die reifen und gesunden Trauben dürfen in die Lesekiste. Wir arbeiten gemeinsam zwischen 2 Zeilen. Die Männer reden viel über das Leben der Bauern, Weinbauern, den Sorgen die sie haben, die Naturgewalten, Wirtschaft und Politik. Und wie sich die Zeiten geändert haben. Sie scherzen auch und machen Witze. Sie freuen sich, dass das Jahr 2018 von Frost, Hagel und anderen Katastrophen verschont geblieben ist. Es wird von den notwendigen Tag/Nachttemperaturen gesprochen, die ein edles Tröpferl erst vollkommen machen.

Zu Mittag ruft die Frau des Hauses zum Mittagessen. In 4 Stunden haben wir 10 von ca 30 Zeilen geschafft. Danach bedankt sich der Weinbauer bei mir mit Zwetschken, Birnen und Äpfeln, die heute niemand mehr abernten will. So gehe ich reich beschenkt und mit einer wunderbaren Erfahrung heim. Müde und in der Hoffnung, der mit „Liebe“ gepflückte Sauvignon Blanc wird ein guter Jahrgang. Hinkünftig werde ich bei jedem Gläschen die Weinbauern hochleben lassen.

Mit lieben Grüssen vom Pössnitzberg,
Dagmar

Zurück